Welche Projekte werden mit Ökogas gefördert?

Bernd Wachtmeister / pixelio.de

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Zwar gilt Erdgas als vergleichsweise umweltfreundlicher und sauberer fossiler Brennstoff. Dennoch wird bei der Verbrennung Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. Das Ökogas-Konzept soll dazu beitragen, die schädlichen Klimafolgen dieser Emissionen auszugleichen. Zu diesem Zweck wird zunächst berechnet, wie viele CO2-Emissionen bei der Verbrennung von Erdgas freigesetzt werden. Durch eine Investition in zertifizierte Klimaschutzprojekte wird genau diese Emissionsmenge an anderer Stelle wieder eingespart – somit ist Ökogas klimaneutral. Finanziert wird der Emissionsausgleich aus dem Zusatzbeitrag für Ökogas.

CO2-Emissionen sind ein globales Problem, Projekte daher weltweit sinnvoll

Die Projekte, die aus den Zusatzbeiträgen für Ökogas gefördert werden sind vielfältig. Oberstes Prinzip ist dabei immer, dass bei jedem Projekt der Klimaschutz im Vordergrund steht und keine Projekte infrage kommen, die aufgrund eines wirtschaftlichen Nutzens, einer unumgänglichen Infrastrukturmaßnahme, einer gesetzlichen Verpflichtung oder ähnlichem ohnehin durchgeführt würden.

Es gibt dabei nicht nur innerhalb Deutschlands Möglichkeiten, Klimaprojekte zu unterstützen. Mittelknappheit und dazu noch ein massiver Aufklärungsbedarf sind besonders Kennzeichen in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern. Teilweise sind in solchen Regionen mit geringen Aufwendungen bereits enorme Vorteile für die Klimabilanz zu erreichen. Auch hier werden durch Ökogas zahlreiche Projekte unterstützt, die zum Beispiel den Wechsel vom weit verbreiteten Kochen über offenem Holzfeuer zu umweltfreundlicheren Varianten zum Inhalt haben. Darüber hinaus werden zahlreiche Aufforstungs- und Waldsanierungsprojekte unterstützt. In Kanada wurden etwa dank der Ökogas-Beiträge Riesenlebensbäume gepflanzt, die innerhalb von 100 Jahren bis zu 7 Tonnen CO2 binden können. Weitere Projekte fördern den Umstieg auf nachhaltige Energieerzeugung: In der Türkei wurde beispielsweise ein Windkraftprojekt finanziert, während in Indien der Bau eines Laufwasserkraftwerks realisiert werden konnte.

Strenge Qualitätsrichtlinien für Klimaschutzprojekte

Damit sich Kunden sicher sein können, mit dem Ökogas-Beitrag nur ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle Projekte zu unterstützen, müssen die geförderten Projekte strenge Qualitätskriterien erfüllen. Zu diesem Zweck arbeiten Ökogas-Anbieter mit unabhängigen Prüfinstituten wie dem TÜV sowie mit privaten Dienstleistungsunternehmen zusammen, die den Nutzen und die Qualität von Projekten beurteilen und anschließend Zertifikate vergeben. Als Grundlage dafür dienen weltweit anerkannte Standards wie der Verified Carbon Standard (VCS) oder der Clean Development Mechanism (CDM) Gold Standard, welche die vom Kyoto-Protokoll geforderten Auflagen erfüllen.

Ein zentrales Kriterium dieser Standards ist der Nachweis der Zusätzlichkeit, das heißt, es muss sichergestellt sein, dass das Projekt nur zum Zweck des Klimaschutzes und nicht aus anderen Gründen stattfindet. Außerdem wird die exakte Einsparungsmenge durch unabhängige Prüfer vorab berechnet und der Fortschritt während der Projektlaufzeit regelmäßig vor Ort überprüft – man nennt dies auch Verifizierung. So wird sichergestellt, dass die Investitionen ihren Zweck erfüllen. Darüber hinaus müssen weitere ökologische und soziale Standards gewährleistet sein. Anhand einer „Nachhaltigkeits-Matrix“ wird beispielsweise beurteilt, ob durch das Projekt Arbeitsplätze vor Ort entstehen oder ob die lokale Umweltbelastung gesenkt werden kann.

Klimaschutz in Entwicklungsländern – hoher Nutzen bei geringen Investitionen

Zahlreiche durch Ökogas geförderte Klimaschutzprojekte finden im Ausland statt. Das liegt daran, dass die Produktionsprozesse in Deutschland bereits sehr energieeffizient sind und hierzulande daher keine so großen Einsparungen mehr erzielt werden können. In Entwicklungsländern fehlen dagegen häufig das Wissen und die finanziellen Mittel, um auf energieeffiziente und umweltfreundliche Technologien umzurüsten. Daher können bereits mit geringem Aufwand hohe CO2-Einsparungen erzielt werden. Darüber hinaus fördern Entwicklungsprojekte in Entwicklungsländern den Technologietransfer, schaffen Arbeitsplätze vor Ort und können damit zu verbesserten sozialen und ökologischen Verhältnissen beitragen. Für den Klimaschutz ist es letztlich unerheblich, an welcher Stelle Emissionen eingespart werden. Wichtig ist nur, dass in der globalen Bilanz weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangt.

Doch auch in Deutschland werden Klimaschutzmaßnahmen aus Ökogas-Beiträgen gefördert. Ein bemerkenswertes Projekt ist beispielsweise die MoorFutures-Initiative, die mit dem Ökoaktivgas der WEMAG unterstützt wird.

Mit jedem MoorFutures Zertifikat eine Tonne weniger CO2-Emissionen

Hinter dem Projekt stehen auch die Landesregierungen von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. In diesen beiden Bundesländern sind Moorgebiete zu finden, die sich über 500.000 Hektar ausdehnen. Das ist eines der größten Moorgebiete in Deutschland. Leider hat eine intensive Nutzung des Wassers durch die Landwirtschaft aber auch das übermäßige Torfstechen zu einer weitgehenden Entwässerung der Moore geführt. Damit wurde zahlreichen Arten, die auf das Moor angewiesen sind, die Lebensgrundlage entzogen. Gleichzeitig kommt es in entwässerten Mooren zu Zersetzungsprozessen, bei denen beträchtliche Mengen an Treibhausgasen freigesetzt werden.

MoorFutures engagiert sich nun darin, diese Moorgebiete wieder zu vernässen. Dabei ist die so entstehende Reduktion von CO2-Emissionen exakt nachprüfbar. Also gibt MoorFutures Zertifikate heraus, die jeweils auf eine Tonne CO2 gezeichnet sind. Mit dem Verkauf jedes Zertifikates werden Einnahmen erzielt, mit denen eine Wiedervernässung durchgeführt werden kann, die nachhaltig verhindert, dass genau diese Menge an CO2 durch Zersetzungsprozesse im Moor in die Atmosphäre gelangt. Mit dem Ökoaktivgas von wemio wird also unter anderem für jede Tonne CO2, die durch die Nutzung von Erdgas entsteht, ein MoorFutures Zertifikat gekauft und die Bilanz ist ausgeglichen. Dazu ist lediglich ein zusätzlicher Beitrag von 0,27 Cent netto pro Kilowattstunde erforderlich. Außerdem entstehen so im Nordosten Deutschlands wieder wunderbare Moorlandschaften. Die Artenvielfalt wird gefördert und regionale Strukturen gestärkt. Zusätzlich gewinnen die Projektbeteiligten schließlich wertvolle Erkenntnisse über die effektive Wiedervernässung trockener Moore.

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