Gaspreisentwicklung – und was das für Gaskunden bedeutet

Gaspreisentwicklung - Die Aufnahme zeigt einen Haufen verschiedener Euromünzen mit einer nach oben zeigenden Kurve, die ansteigende Gaspreise verdeutlichen.

Wie entwickeln sich die Gaspreise?
Foto © Thommy Weiss / pixelio.de

Rund jeder zweite Haushalt in Deutschland heizt mit Erdgas. Der Energieträger ist vergleichsweise sauber und komfortabel – und in den letzten Jahren sogar laufend günstiger geworden. Doch in Zukunft werden Gaskunden vermutlich wieder tiefer in die Tasche greifen müssen. Hier erfahren Sie, wovon die Gaspreisentwicklung eigentlich abhängt und was Verbraucher tun können, wenn die Gaspreise steigen.

Wie sich die Gaspreise zusammensetzen

Um die aktuelle Gaspreisentwicklung zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, aus welchen einzelnen Bestandteilen sich der Gaspreis zusammensetzt. Die entscheidenden Faktoren sind:

  • Kosten für die Gasbeschaffung: Die Erzeugungs- und Beschaffungskosten machen mit knapp 50 Prozent den größten Anteil am Gaspreis aus. Mit eingerechnet sind Vertriebskosten und Gewinnmarge des Gasanbieters. Weil mehr als 90 Prozent des in Deutschland genutzten Erdgases aus dem Ausland stammen, haben die Importpreise hier einen maßgeblichen Einfluss.
  • Mehrwertsteuer: Wie auf jeden Energieträger wird auf Erdgas eine Mehrwertsteuer enthoben. Ihr Anteil am Gaspreis beträgt 16 Prozent.
  • Erdgassteuer: Weitere 8 Prozent entfallen auf die Erdgassteuer.
  • Abgaben an den Netzbetreiber: Jeder Gasversorger entrichtet eine Nutzungsgebühr an den lokalen Netzbetreiber. Diese sogenannten Netzentgelte machen 23,4 Prozent des Gaspreises aus.
  • Konzessions- und Förderabgaben: Hinzu kommen weitere Abgaben an Länder und Gemeinden, deren Anteil mit insgesamt 3 Prozent jedoch verschwindend gering ist.

So haben sich die Gaspreise zuletzt entwickelt

Der Energiemarkt hat sich seit der Jahrtausendwende drastisch gewandelt – und mit ihm die Erdgaspreise. Schlechte Zeiten für Gaskunden waren die Jahre 1998 bis 2008: In diesem Zeitraum hat sich der Gaspreis nahezu verdoppelt. Im Jahr 2010 konnten Verbraucher kurzzeitig aufatmen, die Erdgaspreise sanken – und zwar auf einen Durchschnittspreis von 6,48 Cent pro Kilowattstunde. In den Jahren 2010 bis 2014 wurde Erdgas jedoch wieder teurer. 2014 bezahlten Haushaltskunden mit durchschnittlich 7,2 Cent / kWh einen vorläufigen Höchstpreis.

Seither sind die Erdgaspreise für Gaskunden von Jahr zu Jahr gesunken, während sich Heizöl verteuert hat. Experten erwarten aber, dass dieser Trend nicht anhalten wird. Für das Jahr 2019 haben bereits 51 Gasversorger eine Preiserhöhung von durchschnittlich 8 Prozent angekündigt.

Wovon die Gaspreisentwicklung abhängt

Wie kommt es zu diesen Schwankungen? Die Gaspreise hängen im Wesentlichen von zwei Faktoren ab:

  • den Importpreisen
  • den Entwicklungen im deutschen Energiemarkt

Anders als etwa bei Erdöl existiert für Erdgas kein einheitlicher Weltmarkt-Preis. Die Preise schwanken von Land zu Land. Deutschland bezieht seine Gasimporte in erster Linie aus Russland, Norwegen und den Niederlanden. Nur knapp 9 Prozent des hierzulande verbrauchten Erdgases stammen aus heimischer Förderung. Die Einkaufspreise der Gasanbieter hängen daher maßgeblich von den wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in den Importländern ab.

Ölpreisbindung wurde 2010 aufgehoben

Noch bis vor wenigen Jahren waren die Gaspreise an den Ölpreis am Weltmarkt gekoppelt. Diese sogenannte Ölpreisbindung wurde in den 1960er-Jahren von großen Erdöl- und Erdgas-Produzenten und Importeuren vereinbart. Man wollte damit die Preise für Erdgas stabilisieren und so für Planungssicherheit sorgen.

Die Ölpreisbindung hatte aber zur Folge, dass die Erdgaspreise für Endverbraucher stärker anstiegen als die tatsächlichen Produktions- und Beschaffungskosten. Mit anderen Worten: Gaspreissenkungen wurden nicht an die Gaskunden weitergegeben. Im Jahr 2010 hat der Bundesgerichtshof die Ölpreisbindung aufgehoben. Trotzdem: Die Erdgaspreise stiegen weiter an. Verbraucher haben von der Gaspreisliberalisierung vorerst nicht profitiert.

Gasmarkt: Mehr Anbieter sorgen für günstigere Preise

Ein Grund dafür war die zähe Entwicklung am deutschen Gasmarkt. Im Jahr 2006 war es für Haushaltskunden erstmals gesetzlich möglich, den Gasanbieter zu wechseln. Das Problem: Es gab faktisch keine alternativen Versorger, zu denen sie hätten wechseln können. Zwei Jahre später hatten gerade einmal 60 Prozent der Haushalte die Möglichkeit, von der Grundversorgung zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Erst in den letzten Jahren ist die Anzahl der Gasanbieter am deutschen Gasmarkt deutlich gestiegen. Und dadurch kam es zu spürbaren Gaspreissenkungen.

Durch Gasanbieterwechsel können Haushalte sparen

Überteuerte Gastarife muss heute niemand mehr in Kauf nehmen! Gut zu wissen: Wenn ein Gasanbieter seine Preise erhöht, haben Verbraucher innerhalb einer gewissen Frist ein Sonderkündigungsrecht. Unabhängig davon können Gaskunden, die in der Grundversorgung sind, ihren Gastarif jederzeit innerhalb von nur 2 Wochen kündigen.

Um günstigere Anbieter und Tarife zu finden, leisten Vergleichsportale im Internet gute Dienste. Wer einen wirklich günstigen Gastarif gefunden hat, schließt am besten einen Vertrag mit Preisgarantie ab: Der Gasanbieter ist dann an den einmal vereinbarten Preis vertraglich gebunden und kann ihn später nicht erhöhen.

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