Erdgasumstellung: Wer betroffen ist, was dabei passiert

Erdgasumstellung: Wer betroffen ist, was dabei passiert

Erdgasumstellung in Deutschland
Foto © Stefan Göthert / pixelio.de

Der deutsche Gassektor hat ein wahres Herkules-Projekt vor sich: Von 2015 bis voraussichtlich 2030 werden Gasnetz und private Gasverbrauchsgeräte bundesweit von L-Gas auf H-Gas umgestellt. Dieser Wechsel ist erforderlich, weil die Gasförderung aus einheimischen und niederländischen Quellen kontinuierlich zurückgeht. Welche Haushalte betroffen sind und wie die Erdgasumstellung abläuft, erfahren Sie in diesem Artikel.

Unterschiedliche Förderquellen – unterschiedliche Gasbeschaffenheit

In Deutschland sind derzeit zwei unterschiedliche Erdgas-Qualitäten im Umlauf, die in getrennten Gasleitungen transportiert werden:

H-Gas

Das sogenannte High-Gas oder H-Gas stammt überwiegend aus Gasfeldern in Russland, Norwegen, Dänemark, Großbritannien sowie aus der Nordsee. Es hat einen vergleichsweise hohen Methan-Gehalt von 87 – 99 Prozent, sein Heizwert beträgt rund 10 – 11 kWh/m. Etwa drei Viertel der deutschen Haushaltskunden werden heute mit dieser Gasqualität versorgt.

L-Gas

Low-Gas oder L-Gas, das aus deutschen und niederländischen Quellen stammt, hat dagegen einen geringeren Methan-Gehalt von etwa 80 – 87 Prozent. Dementsprechend niedriger ist mit rund 8 – 9 kWh/m3 sein Heizwert. Verbreitet ist diese Gasqualität im Norden und Westen Deutschlands, konkret in den Bundesländern Bremen und Niedersachsen, teilweise auch in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Hessen. Die Förderung von Low-Gas geht jedoch seit Jahren zurück. Deshalb ist eine bundesweite Umstellung auf High-Gas erforderlich.

Wen betrifft die Erdgasumstellung?

Von der Erdgasumstellung sind grundsätzlich alle Haushalte betroffen, die derzeit Low-Gas beziehen – Genaueres weiß Ihr lokaler Netzbetreiber. Als Gaskunde brauchen Sie jedoch nicht selbst aktiv zu werden, denn der Netzbetreiber muss Sie zwei Jahre im Voraus von der geplanten Erdgasumstellung informieren.

Welche Geräte müssen umgerüstet werden?

Gasbetriebene Heiz- und Haushaltsgeräte müssen an die jeweilige Gasbeschaffenheit angepasst sein, damit sie effizient arbeiten und einwandfrei funktionieren. Umzurüsten sind daher alle direkt an eine Gasleitung angeschlossenen Geräte, wie Gasthermen, Gasheizkessel, Gasdurchlauferhitzer, Gasherde, Gasöfen und Gaskamine. Gasbetriebene Autos sind von der Erdgasumstellung hingegen nicht betroffen.

Wie läuft die Erdgasumstellung ab?

Betroffene Haushalte werden bereits zwei Jahre vor der geplanten Umstellung vom Netzbetreiber informiert. Die Erdgasumstellung selbst verläuft dann in drei Schritten:

  • Bestandsaufnahme: Zunächst werden die vorhandenen Gasgeräte erfasst und überprüft, was bereits ein Jahr vor der eigentlichen Umstellung erfolgt. Dazu kommen Mitarbeiter des Netzbetreibers nach vorheriger Terminankündigung zu Ihnen nach Hause.
  • Technische Umstellung: Vom Netzbetreiber beauftragte Monteure nehmen die nötigen Änderungen an den Gasgeräten vor – auch dieser Termin wird Ihnen vorher mitgeteilt. In den meisten Fällen sind die Gasdüsen auszutauschen, manchmal muss auch die Geräteregelung an die veränderte Gasbeschaffenheit angepasst werden. Danach können Sie das Gerät wieder normal in Betrieb nehmen.
  • Qualitätskontrolle: In etwa jedem zehnten Haushalt wird die ordnungsgemäße Umstellung der Geräte stichprobenartig kontrolliert.

Welche Kosten entstehen durch die Erdgasumstellung?

Für die Umrüstung der Geräte müssen betroffene Haushalte nichts bezahlen. Die Kosten werden zunächst vom Netzbetreiber übernommen und über eine Umlage solidarisch auf alle Gaskunden aufgeteilt, was jedoch nur geringe Mehrkosten von wenigen Euro pro Jahr zur Folge hat.

Sehr alte Modelle können möglicherweise nicht mehr umgerüstet werden. In diesem Fall müssen Sie selbst für das Neugerät aufkommen, Sie können jedoch einen Zuschuss von 100 Euro bei Ihrem Netzbetreiber beantragen.

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