Deutsche halten ihren Gasanbietern die Treue – Trotz vermeidbarer Mehrkosten

Thorben Wengert / pixelio.de

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Tipps zum Sparen sind in deutschen Haushalten eigentlich höchst willkommen. Schnäppchen, Rabatte und diverse Tipps zum Geldsparen haben kontinuierlich Konjunktur – scheinbar. Denn es gibt eine Ausnahme: die Energieversorgung. Nirgendwo sonst sind wir Deutschen so träge. Wenn es darum geht, Energiekosten zu sparen, übt man sich hierzulande in Zurückhaltung. Und das, obwohl das Bundeskartellamt die Gasversorger bereits vor zehn Jahren dazu gezwungen hat, ihre Netze zu öffnen.

Wo Geldsparen vermieden wird

Seit der Liberalisierung des Gasmarktes hat sich einiges getan. Rund 900 Gasversorger bieten hierzulande Brennstoff an. Die Verbraucher zeigen sich vom gestiegenen Wettbewerbsdruck unbeeindruckt. Laut einer Erhebung des Bundeskartellamts und der Bundesnetzagentur aus dem Jahr 2014 nutzt nur jeder zehnte Gaskunde die Möglichkeit eines Anbieterwechsels. Alle anderen lassen sich diese hervorragende Möglichkeit zum Sparen glatt entgehen. Wenn jetzt noch die durch Umzüge verursachten Anbieterwechsel herausgerechnet werden, bleiben noch rund 805.000 Wechselwillige übrig. Gegenüber dem Vorjahr ist deren Anzahl damit sogar rückläufig.

Aus der Erhebung geht außerdem hervor, dass jeder vierte Deutsche im verhältnismäßig teuren Grundversorgungsvertrag ist. Nur ein Fünftel aller Verbraucher werden von einem anderen Anbieter als dem örtlichen Grundversorger beliefert – trotz enormer Preisunterschiede und ebensolcher Sparpotenziale.

Dass diese Sparpotenziale enorm sind, zeigt ein Vergleich der Preisunterschiede. Im Jahr 2006 lag der Unterschied zwischen dem günstigsten und teuersten Tarif bei 60 Euro für einen Durchschnittshaushalt. Bis heute ist diese Differenz um das Zehnfache gestiegen. Laut dem Vergleichsportal Verivox liegt der teuerste Tarif derzeit bei 1.468 Euro, beim günstigsten zahlen Verbraucher nur 849 Euro inklusive Wechselbonus.

In den meisten Regionen Deutschlands sind laut Bundeskartellamt derzeit rund 50 Gasanbieter aktiv. Damit sind die Voraussetzungen für einen gesunden Preisdruck eigentlich gegeben – nur genutzt werden sie nicht. Laut Kartellamtschef Andreas Mundt habe man auf anderen Märkten beobachten können, dass der Preisdruck auf die Anbieter wächst, wenn nur die Kunden Gebrauch von ihren Auswahlmöglichkeiten machen würden. Warum sie das jedoch nicht tun, darüber rätselt sogar die Branche selbst. Manch einer vermutet dahinter schlicht Trägheit, andere wiederum eine nicht begründete Angst davor, plötzlich in einer kalten Wohnung zu sitzen, was aber schon laut Gesetz gar nicht möglich wäre.

Sparpotenziale durch Wechsel des Energieversorgers nutzen

Profiteure von diesem sonderbaren Verhalten sind letztlich die Anbieter selbst, denn diese erhielten allein im Jahr 2015 dadurch Mehreinnahmen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro allein dadurch, dass sie die stark gesunkenen Beschaffungskosten nicht an die Verbraucher weitergeben mussten. Jedem Haushalt ist damit im Schnitt eine Ersparnis von 132 Euro entgangen. Wie Sie den Energieversorger wechseln, erfahren Sie in unserem Artikel zum Thema „Jetzt den Gasanbieter wechseln“.

Zu hohe Kosten können sich aber auch durch veraltete Technik, falsche Einstellungen und versäumte Wartungsarbeiten entstehen. Erste Anhaltspunkte für einen zu hohen Verbrauch lassen sich mit dem Vergleich mit Durchschnittswerten zum Jahresverbrauch von Erdgas ermitteln. Bei Haushalten, in denen nur mit Erdgas geheizt wird, sollte der Wert bei etwa 140 kWh liegen, in Haushalten mit Warmwasserbereitung sind es 160 kWh. Danach kann mit der Ursachenforschung begonnen werden. Einsparungen lassen sich beispielsweise durch die Anpassung der Vorlauftemperatur oder den Austausch eines veralteten Heizkessels gegen ein modernes Brennwertgerät realisieren.

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