Explosions-Serie: Wie gefährlich sind Gasautos wirklich?

Wie gefährlich sind Erdgasautos?

Gefahr von Gasautos
Paul-Georg Meister / pixelio.de

Als wären die tragischen Unfälle in Göteborg und Wolfratshausen nicht schon genug: Im September dieses Jahres explodierte im niedersächsischen Duderstadt erneut ein Erdgasauto beim Tanken, der Besitzer wurde schwer verletzt. Doch wie gefährlich sind Gasautos wirklich? Zahlreiche Tankstellenbetreiber zogen daraus Konsequenzen und stoppten zwischenzeitlich den Verkauf von Erdgas. Sinnvolle Sicherheitsmaßnahme oder überzogene Panikmache? Dieser Artikel analysiert, wie gefährlich Erdgasautos tatsächlich sind.

Gasautos: Die kostengünstige und umweltfreundliche Alternative

Zwar fristen sie hierzulande noch ein Nischendasein, da es noch viele Irrtümer über Autogas gibt.. Doch Erdgasautos weisen einige entscheidende Vorteile auf: Der alternative Treibstoff belastet die Umwelt wesentlich weniger als Benzin, Diesel oder Flüssiggas (LPG). So setzen erdgasbetriebene Autos fast 100 % weniger Feinstaub frei als dieselbetriebene Fahrzeuge, auch die Stickoxid-Werte sind um etwa 89 % niedriger. Darüber hinaus ersparen sich Besitzer von Gasautos bares Geld, denn der Treibstoff ist im Betrieb wesentlich günstiger als Benzin oder Diesel. Aus diesem Grund stellen auch immer mehr Unternehmen ihre Fahrzeug-Flotten auf Gasautos um.

Gefährlich sind poröse Tanks

Mit etwa 200 bar werden die Tanks von Erdgasautos befüllt. Um bei Unfällen oder Bränden Explosionen zu vermeiden, haben die Hersteller ausgeklügelte Sicherheitskonzepte entwickelt. Übersteigt der Druck im Inneren des Tanks einen gefährlich hohen Grenzwert, so öffnen sich Sicherheitsventile, die das Gas kontrolliert ausströmen lassen.

Haben in Göteborg, Wolfratshausen und Duderstadt die Sicherheitsventile versagt? Keineswegs: Schuld waren nach bisherigen Erkenntnissen vielmehr poröse Tanks. Bei den zuletzt betroffenen Gasautos – es handelt sich um VW Touran-Modelle – hat offenbar eine fehlerhafte Rostschutzlackierung dazu geführt, dass die Tanks an einigen Stellen vorzeitig korrodiert sind. Aus diesem Grund konnte bereits ein relativ geringer Druck eine Explosion hervorrufen. Die Tanks sind an der schwächsten Stelle einfach aufgeplatzt.

Neuerliche Rückrufaktionen

Bekannt war das Problem bei VW offenbar bereits seit 2012, als es zu der folgenschweren Explosion in Wolfratshausen kam. Im Oktober 2012 startete der Konzern dann auch eine erste Rückrufaktion. Betroffen waren Erdgasautos vom Typ Touran Ecofuel, die zwischen September 2005 und Mai 2009 produziert wurden. Serienmäßig getauscht wurden jedoch nur die hinteren beiden Tanks der Gasautos, die vorderen beiden Tanks nur bei bereits sichtbaren Rostschäden. Einem Bericht des Magazins „Auto Bild“ zufolge zeigte sich der Konzern anfangs wenig kulant: Bis zu 2000 Euro Selbstkostenbeitrag soll VW für den Austausch der defekten Tanks verlangt haben.

Weitere Rückrufaktionen für Erdgasautos verschiedener Fahrzeugtypen folgten im Juni sowie im September dieses Jahres, diesmal mit einem kostenlosen Austausch der korrodierten Tanks. Auch der Besitzer des in Duderstadt explodierten VW Touran wurde in die Werkstatt gebeten. Er hätte jedoch eine Kunststoffabdeckung selbst bezahlen müssen, die er sich abgefahren hatte. Das wollte er nicht, und daher wurde auf den Austausch der Tanks verzichtet.

Regelmäßige Kontrollen der Tanks sind lebenswichtig

Gefährlich ist also nicht das Antriebskonzept an sich, sondern der Verzicht auf nötige Sicherheitskontrollen. Nässe und Streusalz können den Tanks zusetzen, speziell unter den Kunststoffabdeckungen setzt sich Rost häufig unbemerkt fest. Die Prüforganisation Dekra rät daher, die Tanks bei Kontrollen unbedingt völlig freizulegen und sie bei leisestem Verdacht auf Korrosion unverzüglich auszutauschen. Bei den explodierten Fahrzeugen wurde ein notwendiger Austausch offenbar gefährlich lange hinausgezögert. Von einem generellen Sicherheitsproblem bei Erdgasautos kann jedoch keine Rede sein.

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