Die Reichweite fossiler Energieträger

Dieter Schütz / pixelio.de

Reichweite fossiler Energieträger
Dieter Schütz / pixelio.de

Steigende Vorräte & technischer Fortschritt

Dass sich die Vorräte an fossilen Rohstoffen irgendwann ihrem Ende zuneigen werden, ist mittlerweile bei jedem Verbraucher angekommen. Entsprechend präsent ist das Thema auch immer wieder in der öffentlichen Diskussion, denn für die Zukunft braucht es Ideen und Konzepte, um eine nachhaltige Energieversorgung sicherstellen zu können. Dass die Situation meist dramatischer geschildert wird, als sie es in Wirklichkeit ist, entgeht jedoch vielen Verbrauchern angesichts der oftmals hitzig geführten Debatten.

Steigende Vorräte bei fossilen Rohstoffen

Entsprechende Maßnahmen wurden bereits in großer Zahl in die Wege geleitet. Bekannte Beispiele sind Ökosteuer, Förderprogramme für den Einsatz erneuerbarer Energieträger sowie die Entwicklung alternativer Antriebskonzepte, um auch den Verkehr der Zukunft am Laufen zu halten. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder die Abwendung von Öl als Energieträger thematisiert. Gerade hier kursieren aber oftmals falsche Informationen und Halbwahrheiten, mit denen bewusst Ängste unter den Bürgern geschürt werden.

Was nur wenigen Bürgern bewusst ist, ist die Tatsache, dass sich die Ölreserven im Zeitraum zwischen 1970 bis 2000 beinahe verdoppelt haben – und das trotz eines ständig gestiegenen weltweiten Verbrauchs. Noch drastischer sieht die Entwicklung beim Erdgas aus, denn hier haben sich die Vorräte fast vervierfacht. Waren es im Jahr 1970 noch rund 46 Billionen Kubikmeter, so sind es heute etwa 165 Billionen, die uns zur Verfügung stehen. In den vergangenen 30 Jahren wurde also mehr Gas gefunden als verbraucht.

Reserven, Ressourcen und Gesamtpotenzial

Derzeit geht man von einem Gesamtpotenzial von 729 Milliarden Tonnen SKE (Steinkohleeinheit) an konventionellen Kohlenwasserstoffen (Erdgas und Erdöl) aus. Diese Zahl setzt sich zusammen aus den bestätigten Reserven in Höhe von 388 Mrd. t SKE und aus der fast gleich großen Menge an Ressourcen, durch die nochmals 341 Mrd. t SKE hinzukommen. Damit nicht genug kommen nochmals 1.226 Mrd. t SKE an nichtkonventionellen Wasserstoffen hinzu. Besonders eindrucksvoll sind in diesem Zusammenhang die Zahlen für Erdgas, mit dessen Potenzial sich dieser Artikel eingehender beschäftigt.

Bei den Reserven bzw. bestätigten Reserven handelt es sich um den Teil des Gesamtpotenzials, der sich mit großer Genauigkeit erfassen ließ und der mithilfe der derzeitigen technischen Möglichkeiten auch wirtschaftlich gewonnen werden kann. Demgegenüber sind Ressourcen der Teil des Gesamtpotenzials, der entweder noch nicht genau erfasst worden ist, oder der zwar nachgewiesen wurde, aber noch nicht wirtschaftlich gewonnen werden kann. Die Summe aus Ressourcen und Reserven bilden zusammen wieder das Gesamtpotenzial an Ressourcen, die für den zukünftigen Verbrauch zur Verfügung stehen.

Die Reichweite unserer Vorräte

Bleibt nun noch die Frage, über welchen Zeitraum die Reserven an Öl und Erdgas noch ausreichen werden. Hierzu gibt es eine statische und eine dynamische Sicht der Dinge. Bei der statischen Betrachtung wird im Falle des Erdöls eine Definition verwendet, bei der allein bestätigte Reserven Berücksichtigung finden. Diese Definition hat ihren Ursprung in der Bankenwelt und soll dem Anleger- und Gläubigerschutz dienen. Für eine abschließende Beantwortung der Frage nach der Reichweite der verbleibenden Ölressourcen ist sie jedoch ungeeignet. Um einer Antwort näherkommen zu können, müssen sowohl die Reserven als auch die Ressourcen berücksichtigt werden. Nach Einschätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe belaufen sich die aktuellen Vorräte auf 800 Mrd. t SKE beim Erdöl und 807 Mrd. t. SKE beim Erdgas.

Derzeit geht man davon aus, dass sich die im Rahmen der Ressourcen erfassten Vorräte an Öl und Gas durch den technischen Fortschritt, sinkende Kosten und den langfristigen Anstieg der Öl- und Gaspreise verstärkt wirtschaftlich erschließen lassen. Um die Reichweite zu berechnen, müssen die derzeitigen Vorräte durch den aktuellen weltweiten Verbrauch dividiert werden. Letzterer liegt derzeit bei 5,6 Mrd. t. SKE (Öl) bzw. 3,1 Mrd. t SKE (Erdgas). Demzufolge beträgt die Reichweite bei Erdöl 140 und bei Erdgas 260 Jahre. Um eine möglichst zukunftsorientierte Betrachtung gewährleisten zu können, sollte aber auch mit einbezogen werden, dass der Verbrauch künftig wächst und die Vorräte zunehmen werden.

Es ist heutzutage technisch möglich, Ölsande, Ölschiefer und Schwerstöle sowie Erdgas aus sehr dichtem Gestein abzubauen. Der technologischen Entwicklung ist es zu verdanken, dass die Kosten für den Abbau von Ölsanden deutlich gesenkt werden konnten. Das aktuelle Ölpreisniveau hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die Ölsandproduktion in verschiedenen Regionen der Welt ausgeweitet werden konnte.

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