Russland droht, die Gasversorgung für Westeuropa einzuschränken – ist meine Versorgung sicher?

Andreas Hermsdorf / pixelio.de

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Vollständiges Erdgas-Embargo unwahrscheinlich aber möglich

Ein vollständiger Lieferstopp Russlands nach Westeuropa gilt als unwahrscheinlich, da der Erdgas-Export die für Russland mit Abstand wichtigste Einnahmequelle darstellt. Ein umfassendes Embargo gegen die Hauptabnehmer-Staaten könnte allein schon mangels leistungsfähiger Transportnetze in andere Richtungen kurz- und mittelfristig nicht durch andere Abnehmer ausgeglichen und wirtschaftlich über keinen großen Zeitraum durchgehalten werden. Das gilt auch, obwohl Russland beispielsweise mit China milliardenschwere Erdgas-Verträge abgeschlossen hat. Zudem muss sich Russland überlegen, dass der Westen im Falle massiver Lieferbeschränkungen in einem überschaubaren Zeitraum Versorgungsalternativen etablieren könnte, wodurch eine zukünftige Abnahme auch nach einer Entspannung der Situation gefährdet wäre.

Kölner Wissenschaftler spielen verschiedene Szenarien durch

Aber, wie immer in Krisenzeiten, besteht die Gefahr, dass sachliche Erwägungen in den Hintergrund treten. Daher wurden verschiedene Studien angestellt, die versuchen, die Versorgungssituation in Deutschland zu beschreiben, falls ein russisches Embargo in Kraft tritt. Die derzeit detaillierteste Beschreibung stammt dabei vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln und wurde im Oktober 2014 veröffentlicht. Hier spielen die Autoren mehrere Szenarien durch, nach denen im November 2014 ein Lieferstopp in Richtung Europa stattfindet und zwischen einem und neun Monate aufrecht erhalten wird. Das Datum wurde freilich deswegen gewählt, da hier die Heizperiode einsetzt. Ein sechsmonatiges Embargo beispielsweise ab Mai 2015 hätte wohl so gut wie keine Auswirkungen. Eine Prognose ab November 2015 müsste die dann vorhandenen erweiterten Reserven sowie die verbesserte Vernetzung berücksichtigen.

Erdgasversorgung für mindestens fünf Monate sicher

Die Kölner Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass über einen Zeitraum von fünf Monaten in Deutschland keine Engpässe auftreten würden. Allerdings müssten europaweit zusätzliche etwa 45 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas (LNG, „liquefied natural gas“) aus vornehmlich asiatischen Quellen eingeführt werden. Das hätte Auswirkungen auf den Preis. Darüber hinaus würde auch der darauf folgende Winter betroffen sein, da bis dahin und nach einem fünfmonatigen Embargo vorhandene Gasspeicher nur zu 85 Prozent aufgefüllt werden könnten. Bleibt festzuhalten: Fünf Monate ohne russisches Gas würden die Versorgung nicht beeinträchtigen, aber wohl über zwei Heizperioden zu erhöhten Preisen führen.

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