Fracking – Eine alternative Art der Erdgas-Förderung

Katja Neubauer / pixelio.de

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Eine weitere Methode der Erdgasförderung ist seit einigen Jahren vermehrt im Gespräch. Dabei handelt es sich um das hydraulic Fracturing oder kurz: Fracking. Das Verfahren wird bereits seit dem Ende der 1940er Jahre angewendet, findet aber erst seit kurzem erhöhte Beachtung. Das liegt vor Allem an den hohen Kosten, die die Fracking-Förderung verursacht und daran, dass die Förderung erst ab einem gewissen Rohstoffpreis rentabel ist. Hintergrund hier ist, dass die wohl bei weitem überwiegenden Erdgas-Reservoirs nicht in Gasfeldern lagern, sondern in sehr tiefen Gesteinsschichten gebunden sind. Schätzungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe gehen hier für Deutschland davon aus, dass alleine in Schieferschichten 0,7 bis 2,3 Billionen Kubikmeter Erdgas vorhanden sind, die prinzipiell gefördert werden könnten.

Der Vorgang beim Fracking oder der unkonventionellen Erdgasförderung ähnelt zunächst der konventionellen Erdgasförderung. Allerdings wird die Bohrung auch horizontal innerhalb der gashaltigen Gesteinsschicht durchgeführt. Hier wird durch Wasser, das mit verschiedenen Zusatzstoffen versetzt ist, dem Fracfluid, ein sehr hoher Druck aufgebaut und das Gestein schließlich gesprengt. So kann das Gas entweichen und steigt ähnlich wie oben erläutert an die Oberfläche. Problematisch sind die Zusatzstoffe, welche auch verschiedene Chemikalien enthalten, um das gesprengte Gestein zu stabilisieren. Dabei besteht die Gefahr, dass giftige Substanzen Böden kontaminieren und in das Grundwasser gelangen können. Außerdem ist es möglich, dass durch die Gesteinssprengung nicht alles Erdgas zielgerichtet gefördert wird und eine beträchtliche Menge wiederum in Erdreich und Grundwasser eindringen kann.

Fracking in Deutschland – eine unterschätzte Gefahr?

Fracking – für Energieunternehmen eine Technik, mit der sich die künftige Erdgasversorgung sicherstellen lässt, für Umweltschützer eher ein Reizwort, bei dem die Alarmglocken losschrillen. Die Technik ist allerdings nicht neu und wurde erstmalig bereits 1949 in den USA eingesetzt mit dem Zweck, konventionelle Gas- und Ölvorkommen besser ausbeuten zu können. Im größeren Stil wird Fracking jedoch erst seit dem Jahr 2005 genutzt.

Keine Neuheit: Fracking in Deutschland

Fracking in Deutschland ist schon rund 300 Mal zum Einsatz gekommen, wobei allerdings kein Schiefergas gefördert wurde. Vielmehr wurde die Technik in tiefen und dichten Erdgasvorkommen („Tight Gas“) eingesetzt. Der erste Fracking-Test in Tongestein wurde im Jahr 2008 von der Firma ExxonMobil in der Nähe von Damme in Niedersachsen durchgeführt.

Wie funktioniert Fracking in Deutschland eigentlich?

Der Begriff Fracking steht für „Hydraulic Fracturing“, was sich mit hydraulischem Aufbrechen übersetzen lässt. Damit wird ein Verfahren bezeichnet, mit dem sich Erdgas aus undurchlässigem Gestein lösen lässt. Dieses Gas wird auch als „unkonventionelles Erdgas“ bezeichnet. Oftmals wird auch die Bezeichnung Schiefergas verwendet, da es sich bei dem Gestein häufig um Tongestein handelt.

  • Vor dem eigentlichen Fracken erfolgt eine Bohrung, die bis zu fünf Kilometer tief ins Erdreich gehen kann.
  • Anschließend wird die Bohrung horizontal in die gasführende Gesteinsschicht geleitet.
  • Im nächsten Schritt wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in die Bohrung gepresst. Der Druck ist dabei enorm hoch und kann bis zu 1.000 bar betragen. Dieser Druck sorgt nun dafür, dass das Gestein aufgesprengt wird, wodurch das darin enthaltene Gas entweichen kann. Der Sand dient dazu, dass die entstandenen Risse offenbleiben.
  • Das Gas wird anschließend zusammen mit den Chemikalien zurück zur Oberfläche geleitet.

Was ist drin im Chemiecocktail?

Was Umweltschützern am meisten Kopfzerbrechen bereitet, sind die eingesetzten Chemikalien. Mit dem Gemisch soll der Sand homogen gehalten und Keime abgetötet werden. Nur ein Teil des Gemischs kommt wieder an die Oberfläche zurück, der Rest bleibt in den Gesteinsschichten. Dabei gehen die Meinungen auseinander, ob und falls ja, ab wann diese Chemikalien das Grundwasser verunreinigen könnten. Laut Gutachten des Umweltbundesamtes ließen sich dauerhafte und irreversible Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung nicht von der Hand weisen.

Welche und wie viele Substanzen dabei genau zum Einsatz kommen, lässt sich nicht genau ermitteln, denn das behalten die Gasunternehmen gerne für sich. Allein die Anzahl schwankt zwischen einigen Dutzend und Hunderten. Rund 750 Chemikalien wurden in einem Bericht an den US-Kongress namentlich genannt. Einige von ihnen sollen giftig, manche sogar krebserregend sein. Leider besteht bislang keine Veröffentlichungspflicht, was das chemische Gemisch anbelangt. Und das gilt nicht nur für die USA, sondern auch für Deutschland.

Einzig ExxonMobil gab bislang über sein Fracking in Deutschland Auskunft. Laut dem Umweltbundesamt sollen von den eingesetzten Chemikalien 6 als giftig, 6 als umweltgefährdend, 25 als gesundheitsschädlich, 14 als reizend und 12 als ätzend eingestuft worden sein. Laut ExxonMobil arbeite man daran, die giftigen Chemikalien zu ersetzen. Das Umweltbundesamt vertritt jedoch die Ansicht, dass auch die ungiftigen Chemikalien für das Grundwasser nicht weniger riskant seien.

Und selbst wenn das Gemisch komplett zurückgewonnen werden könnte, bliebe noch die Frage nach der Entsorgung, mit der selbst Klärwerke derzeit überfordert sind. Derzeit lässt man den Chemiecocktail in einer ausgedienten Bohrung einfach verschwinden, was dann als Disposal-Verfahren bezeichnet wird.

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