Forscher schlagen Erweiterung nationaler Erdgasspeicher & europäischer LNG-Terminals vor

Ben Dobrunz / pixelio.de

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Nach sechs Monaten könnte allerdings eine Versorgungslücke von etwa drei Milliarden Kubikmetern entstehen. Bei einem Jahresverbrauch in Deutschland von knapp 84 Milliarden Kubikmetern sind das etwa 3,6 Prozent. Nach neun Monaten würde die Lücke sogar 12 Milliarden Kubikmeter betragen. Hier verweisen die Forscher darauf, dass hierzulande in insgesamt 51 unterirdischen Erdgasspeichern rund 24 Milliarden Kubikmeter in Reserve gehalten werden können. Diese Kapazitäten sind europaweit die höchsten und werden derzeit deutlich ausgebaut. Dazu existiert eine hervorragende Vernetzung zu den großen LNG-Terminals in Rotterdam, Niederlande, sowie im belgischen Zeebrügge. Eine Aufstockung der Kapazitäten um 65 Milliarden Kubikmeter LNG würde die Versorgung in ganz Europa über sieben Monate sichern.Hier lautet die Schlussfolgerung also, dass ein russisches Embargo auch nach einem halben Jahr oder länger keine schwerwiegenden Versorgungsengpässe in Deutschland nach sich ziehen würde.

Versorgungslücken bei längerfristigem Embargo in europäischen Regionen mit unzureichender Infrastruktur

Eine gewisse Einschränkung in der Versorgungssicherheit sieht die Studie jedoch darin, dass europäische Lieferanten ein russisches Embargo nur in geringem Maße ausgleichen können, da sie auch durch andere Abnehmer-Staaten langfristig vertraglich gebunden sind. Wesentlich davon betroffen sind Norwegen, aus dem wir 24 Prozent unseres Erdgases beziehen, und die Niederlande mit einem Erdgas-Anteil auf dem deutschen Markt von 23 Prozent. Auch im Falle eines besonders kalten Februars während eines sechsmonatigen Embargos kann es an einigen Stellen in Europa, wahrscheinlich weniger in Deutschland, zu Schwierigkeiten kommen. Problematisch könnte die Versorgung im Wesentlichen in Polen und in der Türkei werden, da diese beiden Länder Ausfälle aufgrund fehlender Infrastruktur nicht mit LNG ausgleichen können. Für Russland beziehungsweise Gazprom schließlich prognostiziert die Kölner Studie einen Einnahmeverlust von 4 bis 4,5 Milliarden Euro pro Monat Embargo, was den russischen Staatshaushalt nachhaltig beeinflussen würde.

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