Flüssigerdgas – Rohstoff mit Zukunft oder Umweltrisiko?

Flüssigerdgas – Rohstoff mit Zukunft oder Umweltrisiko?
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Flüssigerdgas boomt: In Europa soll das Importgut in den nächsten Jahren die Versorgungssicherheit erhöhen und zunehmend „schmutzige“ Kraftstoffe ersetzen. Doch wie klimafreundlich ist der Rohstoff wirklich? Lesen Sie, wie Flüssigerdgas hergestellt, transportiert und gelagert wird und was Kritiker daran auszusetzen haben.

Flüssigerdgas – das steckt dahinter

Flüssigerdgas, auch LNG (Liquefied Natural Gas) genannt, ist aufbereitetes Erdgas, das durch Abkühlen auf minus 162° Celsius in Flüssigkeit umgewandelt wird. In diesem Zustand beträgt seine Dichte rund 450 Kilogramm pro Kubikmeter und ist damit 600 mal höher als in der ursprünglichen Form.

Es gibt unterschiedliche Verfahren, um Flüssigerdgas herzustellen. Zunächst gelang das Erdgas über Pipelines von der Förderstätte zur Aufbereitungsanlage. Dort wird es in großen Kältemaschinen in mehreren Zyklen komprimiert und abgekühlt, bis es sich verflüssigt. Dieser Schritt verbraucht viel Energie – zwischen 10 und 25 Prozent des eigentlichen Heizwerts von Erdgas gehen für die Verflüssigung verloren.

Transport unabhängig von Gas-Pipelines

LNG lässt sich anders als herkömmliches Erdgas relativ flexibel in großen Schiffen mit Spezialtanks transportieren. Dadurch sind die Transportrouten unabhängig von den großen Erdgas-Pipelines. Die Tanks müssen allerdings sehr gut wärmegedämmt sein, weil Flüssiggas bei jeder Temperaturerhöhung sofort verdampft. Doch selbst mit Isolierung geht beim Transport kontinuierlich eine gewisse Menge Gas aus dem Tank verloren, welches man entweder direkt zum Schiffsantrieb nutzt oder wieder verflüssigt.

An seinem Zielort wird das Flüssigerdgas in gut isolierte Lagertanks überführt und zwischengespeichert. Zu den großen Verteilern (Hubs) gelangt das Flüssiggas entweder mit kleineren Tankschiffen, oder es wird in Verdampfungsanlagen unmittelbar wieder in den gasförmigen Zustand umgewandelt.

Flüssigerdgas erhöht Versorgungssicherheit

Länder wie Japan sind auf LNG-Importe angewiesen, weil sie zu weit von den Förderstätten entfernt sind und der Bau von Pipelines daher zu teuer wäre. Doch auch im EU-Raum werden derzeit zahlreiche Hafenanlagen zur Anlieferung von LNG neu errichtet. Der überwiegende Teil des importierten Flüssiggases stammt aus Katar, Algerien und Nigeria, seit vergangenem Jahr bezieht Europa auch verflüssigtes Erdgas aus den USA. Die USA haben ihre LNG-Förderung zuletzt kräftig ausgebaut, was vor allem durch neue Technologien wie Fracking möglich wurde.

Weil Flüssigerdgas flexibel aus verschiedenen Regionen der Welt angeliefert werden kann, soll der Energieträger in europäischen Ländern die Versorgungssicherheit erhöhen. Im Energiemix des gesamten EU-Raums hat Erdgas immerhin einen Anteil von rund 25 Prozent, mehr als die Hälfte davon wird importiert.

Flüssigerdgas als sauberer Kraftstoff?

Erdgas kommt aber nicht nur als Heizmittel zum Einsatz. In Zukunft könnte man LNG zunehmend zum Antrieb von Kraftwerken, Schiffen, Autos und sogar Flugzeugen nutzen. Der Vorteil: Ein mit Methangas betriebenes Fahrzeug setzt etwa 25 Prozent weniger CO2 frei als eines mit Benzinmotor, die Stickoxid- und Feinstaub-Belastung liegt nahezu bei Null. Und auch im Vergleich zu Schweröl, mit dem üblicherweise Schiffe betrieben werden, ist Erdgas weitaus weniger klima- und gesundheitsschädlich. Gegenüber Kohle soll die CO2-Einsparung im Kraftwerksbereich sogar 40 Prozent betragen.

Umweltrisiken nicht mit einberechnet

Doch diese Argumente sind nicht unumstritten. Umweltorganisationen warnen, dass die Umweltbilanz von Flüssigerdgas in Wahrheit wesentlich schlechter ist. Denn die zusätzliche Energie, die zur Verflüssigung, zum Transport und zur Wiedervergasung von LNG benötigt wird, ist in den Berechnungen üblicherweise nicht einkalkuliert. Laut einer Studie des Netzwerks Friends of the Earth sollen die Emissionen von Flüssigerdgas doppelt so hoch sein wie die von regional gefördertem Erdgas, wenn man sämtliche Vorketten-Emissionen mit einbezieht.

Ein weiteres Problem sind mögliche Austritte von klimaschädlichem Methangas bei der Förderung von LNG durch Fracking. Zwar gibt es dazu kaum verlässliche Daten, Experten zufolge könnten die Lecks aber erheblich sein.

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