Freie Bahn für russisches Gas: Finanzierung der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 gesichert

Ostsee Pipeline

Finanzierung der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 gesichert
Foto © Thomas Max Müller / pixelio.de

Eine wesentliche Hürde für das Ostsee-Pipeline-Projekt „Nord Stream 2“ ist genommen: Der russische Energiekonzern Gazprom hat sich mit fünf europäischen Partnern auf eine gemeinsame Finanzierung geeinigt. Doch der Bau der Erdgas-Pipeline in der Ostsee bleibt weiterhin umstritten. Kritiker fürchten eine zunehmende Abhängigkeit von russischem Gas.

Neue Ostsee-Pipeline soll russische Gaslieferungen verdoppeln

Bereits jetzt verläuft eine 1.224 Kilometer lange Erdgas-Pipeline vom russischen Wyborg über die Ostsee bis Lubmin bei Greifswald. Sie leitet russisches Gas direkt nach Deutschland, ohne dabei die Hoheitsgebiete osteuropäischer Transitländer zu durchqueren. Der Betreiber der gewaltigen Pipeline ist die Nord Stream AG, an der die russische Erdgasgesellschaft Gazprom mit 51 Prozent die Mehrheit der Anteile hält. Das Bauprojekt hat bislang rund 7,4 Milliarden Euro verschlungen. 39,1 Milliarden Kubikmeter an russischem Gas hat die EU im Jahr 2015 über die Ostsee-Pipeline importiert, das entspricht einer Auslastung von 71 Prozent.

Bis Ende 2019 soll parallel zu den bestehenden beiden Leitungssträngen eine zusätzliche Erdgas-Pipeline verlegt werden – diese geplante Erweiterung trägt den Namen „Nord Stream 2“. Bei voller Auslastung soll sie jährliche Importe von 55 Milliarden Kubikmetern an russischem Gas ermöglichen – genug, um etwa 26 Millionen Haushalte mit Erdgas zu versorgen. Die geschätzten Kosten für den Bau belaufen sich auf stolze 9,5 Milliarden Euro.

Kartellrechtliche Bedenken gegen geplantes Joint Venture

Noch vor wenigen Monaten stand die Finanzierung des Monsterprojekts jedoch auf wackeligen Beinen: Ursprünglich war die Bildung eines Gemeinschaftsunternehmens zwischen der russischen Gazprom und fünf weiteren westlichen Partnern geplant. Neben den deutschen Unternehmen Uniper und Wintershall waren auch die österreichische OMV, die französische Engie sowie Royal Dutch Shell aus Großbritannien mit an Bord.

Doch die polnische Wettbewerbsbehörde meldete Bedenken an: Der Zusammenschluss würde den Wettbewerb schwächen und die Versorgungssicherheit gefährden. Als Reaktion darauf sprangen die europäischen Partner wieder ab und zunächst schien es, als müsse Gazprom die enormen Kosten des Ostsee-Pipeline-Projekts allein stemmen.

Gemeinsame Finanzierung statt Gemeinschaftsunternehmen

Wie im April bekannt geworden ist, haben sich die Konzerne nach monatelangem Ringen auf eine alternative Lösung geeinigt. Anstatt des geplanten Joint Ventures wurde ein Finanzierungsvertrag aufgesetzt, durch den sich die ursprünglichen Projektpartner zu einer Kostenübernahme von jeweils zehn Prozent verpflichten. Den Löwenanteil von 50 Prozent übernimmt weiterhin die russische Gazprom, sie bleibt auch alleiniger Gesellschafter des Projektbetreibers Nord Stream 2. Mit bis zu 950 Millionen Euro werden sich indes die europäischen Partner am Bau der Ostsee-Pipeline beteiligen.

Weitere Erdgas-Pipeline politisch umstritten

Kritiker befürchten, dass der Bau von Nord Stream 2 die Abhängigkeit der EU vom russischen Energie-Giganten Gazprom verfestigen werde. Der Konzern ist global gesehen der größte Gasexporteur und erbringt etwa ein Fünftel der weltweiten Erdgas-Förderung, er hält zudem ein Monopol auf die russischen Erdgas-Exporte. Doch auch die Schuldenbelastung des Unternehmens ist zuletzt kräftig gestiegen. Grund dafür sind nicht zuletzt die gewaltigen Infrastruktur-Projekte, wie etwa der Bau der Erdgas-Pipeline Turkstream, die über die Türkei nach Südeuropa verläuft. Auch in China plant Gazprom die Errichtung einer 4.000 Kilometer langen Gasleitung. Zumindest bei der Finanzierung des Schlüsselprojekts Nord Stream 2 lässt sich das russische Unternehmen nun unter die Arme greifen.

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