Erdgasversorgung in Deutschland

Rolf Kurschat / pixelio.de

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Erdgas wird in Deutschland auch in Zukunft eine große Rolle spielen – insbesondere bei der Wärmeversorgung. Daran ändert auch die Energiewende wenig. Denn die erneuerbaren Energien kommen bevorzugt beim Strom zum Einsatz, in anderen Bereichen haben sie eine geringere Bedeutung.

Die Bundesrepublik ist neben Großbritannien und Italien der größte Gasmarkt in Europa. Die deutsche Erdgasversorgung ist durch eine hohe Importabhängigkeit gekennzeichnet. Nur sechs Prozent des Gasverbrauchs hierzulande stammen aus heimischer Erzeugung, das Gros von 94 Prozent muss über Pipelines aus verschiedenen Lieferländern eingeführt werden. Hauptlieferant für Gas ist nach wie vor Russland, das für mehr als ein Drittel Erdgasversorgung in Deutschland steht. Rund die Hälfte der russischen Lieferung erfolgt über die Nord Stream-Pipeline in der Ostsee und Polen, die andere Hälfte über Tschechien. Fast ebenso bedeutend sind die Niederlande und Norwegen als Lieferanten mit Anteilen von je 31 Prozent. Kleinere Mengen werden aus Dänemark, Großbritannien und anderen Ländern bezogen.

Deutsche Erdgasversorgung fußt auf drei Säulen

Trotz der hohen Importabhängigkeit ist die deutsche Erdgasversorgung bislang nie ernsthaft gefährdet gewesen. Das gilt auch unter Berücksichtigung des hohen russischen Anteils und der Unwägbarkeiten in den Beziehungen zu Russland. Selbst auf dem Höhepunkt der Ukraine-Krise und im Angesicht der westlichen Sanktionen standen die russischen Gaslieferungen nie ernsthaft in Frage. Die Erdgasversorgung aus dem Osten lief – von kleineren Störungen abgesehen – reibungslos weiter. Inzwischen hat sich die Lage um die Ukraine beruhigt, auch wenn der Konflikt nicht gelöst ist. Mit den großen Lieferanteilen aus Norwegen und den Niederlanden fußt die deutsche Erdgasversorgung außerdem auf drei Säulen, es besteht also keine einseitige russische Abhängigkeit. Das wird sich auch in Zukunft nicht grundlegend ändern.

Mit acht Milliarden Kubikmetern ist die deutsche Erdgasförderung 2016 leicht rückläufig gewesen. Die ergiebigsten Erdgasfelder befinden sich in Niedersachsen im Bereich der Norddeutschen Tiefebene. Alle anderen Fördergebiete (Thüringer Becken, südliches Bayern) sind dagegen vernachlässigenswert. Welche Potentiale künftig durch Ausbeutung unkonventioneller Lagerstätten (Schiefergas, Kohlegas usw.) erschlossen werden könnten, lässt sich derzeit nur schwer abschätzen. Der Widerstand gegen „Gas-Fracking“ ist in Deutschland jedenfalls groß. Anders sieht das bei Biogas aus. Das „grüne Gas“ aus erneuerbaren Rohstoffen (Biomasse) liegt im Trend der Energiewende, kann aber nur eine kleine Ergänzung der Erdgasversorgung sein.

Erdgas ist Wärmequelle Nummer eins

Neben Mineralöl ist Erdgas die wichtigste „Energiequelle“ in Deutschland und liegt noch deutlich vor den erneuerbaren Energien. Erdgas und andere Gase trugen 2016 22,6 Prozent zum Pimärenergieverbrauch bei. Der Gasanteil ist dabei in den letzten Jahren sogar noch gestiegen. Das Gros – rund 90 Prozent – des Gasverbrauchs fließt in die Wärmeerzeugung. Bei der deutschen „Wärmeproduktion“ ist Gas mit einem 44 Prozent-Anteil der wichtigste Energieträger. Eine gewisse Bedeutung haben Erd- und Biogas auch als Fahrzeug-Treibstoffe erlangt. Auf deutschen Straßen sind bereits mehr als eine halbe Million gasbetriebene Fahrzeuge unterwegs – mehr als zehnmal so viele wie Elektro-Autos.

Als „Wärmequelle“ ist Erdgas in Deutschland einstweilen unverzichtbar. Das wird auch in Studien bestätigt. Trotz des weltweit gestiegenen Verbrauchs haben sich seit 1980 die bekannten Gasreserven auf unserem Globus um mehr als 160 Prozent erhöht. Dennoch ist Erdgas eine erschöpfbare Ressource, die daher besonders effizient genutzt werden sollte.

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