Was ist die Ölpreisbindung und was bedeutet sie für Verbraucher?

Geldmünzen zur Darstellung von sinkenden Ölpreisen

Sinkende Ölpreise
Foto: © blende11.photostock.adobe.com

Es folgt fast wie das Amen im Gebet: Steigen die Preise für Heizöl, dann ziehen nach kurzer Zeit meist auch die Gaspreise an. Der Grund ist die sogenannte Ölpreisbindung. In Verträgen mit Endverbrauchern ist sie seit einigen Jahren zwar nicht mehr zulässig. Doch auf den allgemeinen Erdgaspreis am Großmarkt hat die Entwicklung der Heizölpreise nach wie vor Auswirkungen.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie es zur Ölpreisbindung kam und warum sie derzeit mehr und mehr an Einfluss verliert.

Inhalt:

  1. Der Hintergrund: Preisstabilität und Investitionssicherheit
  2. So beeinflusst die Entwicklung der Heizölpreise die Gaspreise
  3. Die Kritik an der Ölpreisbindung
  4. Gerichtsurteil kippt Ölpreisbindung in Endverbraucher-Verträgen
  5. Warum sich die Gaspreise aktuell vom Ölpreis entkoppeln
  6. Dank Gasvergleich billiger heizen

Der Hintergrund: Preisstabilität und Investitionssicherheit

Die Wurzeln der Ölpreisbindung liegen in den 1960er-Jahren. Damals begann man in Ländern wie den Niederlanden, Russland und Norwegen, in großem Stil Erdgas zu fördern. Die Errichtung von Förderanlagen und Pipelines war mit enormen Investitionskosten verbunden. In den Lieferverträgen zwischen Produzenten und Gashändlern wurde daher häufig eine Preiskopplung zwischen Erdöl und Erdgas vereinbart. Das sollte sicherstellen, dass die Investitionskosten langfristig gedeckt waren.

Warum ausgerechnet ein Ölpreisvergleich und nicht etwa eine Kopplung an den Strompreis? Viele Gas-Förderunternehmen waren zugleich Erdöl-Produzenten. Um eine Konkurrenz zwischen den Energieträgern zu verhindern, sollte Erdgas im Preisvergleich nicht besser oder schlechter als Erdöl abschneiden.

Die Ölpreisbindung ist somit kein politisches Abkommen, sondern kam als Folge privatwirtschaftlicher Vereinbarungen zwischen Energieunternehmen zustande. Es gibt auch nicht „die eine“ Ölpreisbindung, sondern unterschiedliche Abmachungen zwischen Gasproduzenten, Gasimporteuren und lokalen Gasversorgern.

So beeinflusst die Entwicklung der Heizölpreise die Gaspreise

Wie werden die Preise nun konkret gebildet? In Gaslieferverträgen zwischen Gashändlern und lokalen Gasanbietern kommt häufig die sogenannte 6/1/3-Regelung zum Einsatz. Das bedeutet, dass der durchschnittliche Ölpreis aus den letzten 6 Monaten mit einer Verzögerung von 1 Monat die Grundlage für den Erdgaspreis bildet. Der so ermittelte Wert gilt anschließend für die nächsten 3 Monate. Das hat zum einen den Effekt, dass die gerade aktuellen Gaspreise nie ganz den Ölpreisen entsprechen, sondern ihnen mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung nachfolgen.

Zum anderen lassen sich durch solche Regelungen starke Preisschwankungen bei Erdgas abfedern. Denn die Marktpreise für Rohöl sind stark von Börsenspekulationen sowie der politischen Lage in den Herkunftsländern abhängig und legen daher mitunter eine Berg- und Talfahrt hin. Die Preisbildung auf der Grundlage von Durchschnittswerten hat eine gewisse glättende Wirkung auf die Gaspreise. Sie schwanken in der Regel weniger stark als die Preise für Rohöl.

Die Kritik an der Ölpreisbindung

Doch nicht immer ist die Preisentwicklung von Erdgas für den Endverbraucher völlig nachvollziehbar. Einer der Gründe dafür ist, dass es entlang der Lieferkette des Erdgases mehrere Verträge mit unterschiedlichen Preisbindungs-Klauseln gibt. Dabei werden oft unterschiedliche Referenzwerte herangezogen. Beispielsweise orientieren sich die Lieferverträge zwischen Erdgas-Produzenten und Importeuren meist an den internationalen Rohöl-Preisen. Wenn Importeure das Gas anschließend an lokale Gasanbieter weiter verkaufen, bildet wiederum der Marktpreis für schweres oder leichtes Heizöl die Grundlage. Der Hintergedanke ist, dass der Erdgaspreis immer an den Preis des jeweiligen Konkurrenzprodukts gekoppelt sein soll.

Verbraucherschützern waren die Preisanpassungsklauseln in den Geschäftsbedingungen vieler Gasanbieter allerdings schon lange ein Dorn im Auge. Die Unternehmen nahmen sich dadurch das Recht heraus, den Gaspreis in privaten Lieferverträgen abhängig vom internationalen Ölpreis zu erhöhen. Doch diese Regeln seien schwammig und intransparent, so wurde häufig kritisiert.

Gerichtsurteil kippt Ölpreisbindung in Endverbraucher-Verträgen

Im Jahr 2009 zog der Bund der Energieverbraucher wegen mehrerer solcher Gastarife vor Gericht. Mit Erfolg: Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe erklärte die Preisanpassungsklauseln in Verträgen mit Endverbrauchern für unzulässig. Gasversorger müssen ihren Kunden seither immer ein Sonderkündigungsrecht einräumen, wenn sie innerhalb eines bestehenden Liefervertrags ihre Preise erhöhen.

Damit wurde die Ölpreisbindung in Lieferverträgen mit Endverbrauchern gekippt. Dennoch: In Verträgen zwischen Gasproduzenten, Importeuren, Zwischenhändlern und lokalen Energieversorgern sind Ölpreisbindungs-Klauseln nach wie vor erlaubt und gängige Praxis! Daher hat die Entwicklung der Heizölpreise mittelfristig trotzdem Einfluss darauf, wieviel Endkunden für ihr Erdgas zahlen.

Warum sich die Gaspreise aktuell vom Ölpreis entkoppeln

Doch derzeit sorgt der steigende Wettbewerb am Gasmarkt dafür, dass die Ölpreisbindung mehr und mehr an Bedeutung verliert. Der Wettbewerb spielt sich dabei auf mehreren Ebenen ab: Einerseits drängen seit einiger Zeit neue Erdgas-Produzenten wie die USA auf den Markt, die mit Schiefergas zusätzliche Erdgasquellen erschließen. Um sich gegen die eingesessenen Akteure am Markt durchzusetzen, verkaufen sie das Gas häufig ohne Preisbindung. An den sogenannten Spotmärkten wird Erdgas zu marktaktuellen Preisen – ohne langfristige Lieferverträge – gehandelt, wie das auch bei anderen Rohstoffen üblich ist.

Dank Gasvergleich billiger heizen

Andererseits können Endkunden seit der Liberalisierung des Gasmarktes in Deutschland ihren Gasversorger frei wählen. Immer mehr Verbraucher nehmen einen Gaspreisvergleich vor, um sich für den günstigsten Anbieter zu entscheiden. Das Rennen machen häufig kleinere lokale Gasanbieter, die im Vergleich zum Grundversorger deutlich günstiger sind. Dadurch wird es für Gasversorger attraktiver, mögliche Preissenkungen auch tatsächlich an den Endkunden weiterzureichen.

Die steigende Wettbewerbssituation könnte die Ölpreisbindung langfristig also obsolet machen, was sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Denn schließlich können die Gaspreise dadurch nicht nur schneller sinken, sondern auch schneller steigen, als es ohne Ölpreisbindung möglich wäre.

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