Biomasse: China wird wichtigster Zukunftsmarkt

Dramatische Luftverschmutzung, Smog über den Metropolen und klimaschädliche Kohlekraftwerke – dieses Bild von China ist derzeit im Umbruch. Denn das Reich der Mitte setzt vermehrt auf erneuerbare Energie. Insbesondere der Biomassesektor soll in den nächsten Jahren massiv ausgebaut werden. Einer aktuellen Marktstudie des Kölner Beratungsunternehmens ecoprog zufolge wird sich China künftig zum weltweit wichtigsten Markt für Biomasse-Kraftwerke entwickeln.

Wachstum des Bioenergiesektors in China staatlich gefördert

Seinen enormen Strombedarf hat China bislang zu etwa 90 Prozent aus fossilen Brennstoffen gedeckt, allen voran durch die Verbrennung von Kohle – mit den bekannten ökologischen Folgen. Um die Luftverschmutzung und die Klimaprobleme in den Griff zu bekommen, hat die chinesische Regierung bereits 2006 ein Erneuerbare-Energie-Gesetz verabschiedet. Auf dieser Basis wurde in den letzten Jahren vor allem der Ausbau von

Wind- und Solarkraftwerken vorangetrieben. Nun soll auch das Wachstum des Biomassesektors gefördert werden: Im November 2016 hat die Regierung das Ziel veröffentlicht, den Anteil von Biomassekraftwerken bis 2020 auf 15 Gigawatt elektrische Leistung (15.000 MWel) zu erhöhen.

Günstige Rahmenbedingungen für Investitionen in den Biomassesektor

Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, ist ein Wachstum des Biomassesektors um rund 750 MWel pro Jahr erforderlich. Politisch vorangetrieben wird der Ausbau durch eine attraktive Einspeisevergütung von 0,75 RMB/kWh – in Euro umgerechnet entspricht das 10,2 ct/kWh. Darüber hinaus ist das nötige Investitionsvolumen in China mit 1,5 Millionen Euro / MW elektrische Leistung relativ gering, wie ecoprog darlegt – niedrigere Lohnkosten als in Europa und geringere Umweltstandards bei der Abgasreinigung machen es möglich. Aufgrund dieser günstigen Rahmenbedingungen amortisieren sich die anfänglichen Investitionskosten für Biomasseanlagen in China rascher. Ecoprog geht daher von einem rasanten Wachstum des chinesischen Biomassesektors innerhalb der nächsten zehn Jahre aus.

China setzt auf Großanlagen

In Europa sind vorwiegend Kleinanlagen verbreitet, die biogene Reststoffe, Pellets oder Energiepflanzen zur Wärmeerzeugung nutzen. In zahlreichen europäischen Ländern ist die Nutzung der Abwärme Voraussetzung, um staatliche Förderungen in Anspruch nehmen zu können. Anders in China: Hier werden vor allem reine Stromanlagen errichtet, die mit einer durchschnittlichen Leistung von 30 MWel pro Anlage wesentlich größer dimensioniert sind als in Europa. Die bei uns gängigen Kleinanlagen bringen es im Vergleich dazu auf eine Leistung von 1 – 5 MWel.

Viehbetrieb und Biogasanlage

Viehbetrieb und Biogasanlage
Foto © uschi dreiucker /pixelio.de

Erneuerbare Energie weltweit im Vormarsch

Während sich der Biomassemarkt in China somit äußerst dynamisch präsentiert, geht es in Europa langsamer voran. Zwar werden die Kapazitäten in vielen europäischen Staaten weiter ausgebaut, die Wachstumsraten fallen jedoch geringer aus als in den letzten zehn Jahren, so ecoprog. Einen Trend zu neuen Biogaskleinanlagen erkennt das Beratungsunternehmen vor allem in Italien. Weltweit soll sich die Anzahl an Biomasseanlagen bis 2025 auf 5.700 erhöhen, damit werde eine Kapazität von etwa 74 GWel erreicht. Geht man vom derzeitigen Niveau aus, so sind dafür zusätzliche Kapazitäten von 26,5 GWel erforderlich. Die wichtigste Voraussetzung für das Wachstum erneuerbarer Energien sieht ecoprog in staatlichen Förderungen. Weltweit subventionieren bereits 140 Staaten den Ausbau zukunftsfähiger Energieformen.

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