Biogasförderung: Neue Perspektiven in Aussicht

Florian Gerlach / pixelio.de

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Etwa 9.000 Biogasanlagen gibt es derzeit bundesweit und eines haben sie alle gemeinsam: eine auslaufende Förderung nach 20 Jahren. Dementsprechend sei die Stimmung in der Branche derzeit schlecht, wie es gegenwärtig zahlreichen Medien zu entnehmen ist. Neue Perspektiven müssen her, so die Forderung von Hendrik Becker, Vizepräsident des Fachverbandes Biogas, auf der Jahrestagung in Nürnberg.

Fielen die Förderungen weg, hätte das erst ab dem Jahr 2020 Auswirkungen auf die ersten Betreiber von Biogasanlagen. Das ändert jedoch nichts daran, dass bereits jetzt viele Investitionsentscheidungen anstehen, die einen deutlich längeren Planungshorizont benötigen. Unter anderem sind es neue Auflagen, für deren Erfüllung die Betreiber höhere Summen im bis zu sechsstelligen Bereich ausgeben müssen. Das tun sie allerdings nur, wenn sich diese Investitionen für sie auch lohnen. Würden die Betreiber nach Ablauf des Förderzeitraums von 20 Jahren ihre Anlagen stilllegen, könnten nach einer Schätzung des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) ab dem Jahr 2034 kaum noch Biogasanlagen am Netz sein.

Wie geht es ab 2020 weiter?

Eine Möglichkeit sei laut Becker die Teilnahme an den diesjährigen Ausschreibungen der Bundesnetzagentur, die im Rahmen der geplanten Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) derzeit diskutiert werden. In dem Fall sei es Aufgabe der Betreiber, sich für die Erzeugung einer bestimmten Menge Energie zu bewerben. Hendrik Becker vom Fachverband Biogas gibt jedoch zu bedenken, dass sich die Biogasanlagen in Größe, Leistung und verwendetem Rohstoff stark voneinander unterscheiden. Entsprechend schlecht stünden demnach auch die Chancen für kleinere Anlagen, eine solche Ausschreibung für sich verbuchen zu können. Der Verband fordert daher, die geltenden Bestimmungen des EEG für die Förderung beizubehalten.

Vonseiten der Politik wird signalisiert, dass man das Ausschreibungsverfahren einfach halten wolle, um eine möglichst hohe Akteursvielfalt zu erzielen. Zudem sollen Landwirte nicht die hohen genehmigungstechnischen und bürokratischen Hürden auf sich nehmen müssen, wie das derzeit bei Freiflächen-Photovoltaikanlagen der Fall ist. Zudem soll die Differenzierung nach Einsatzstoffen wegfallen und eine Bagatellgrenze für kleine Anlagen eingeführt werden. Offen ist noch, ob diese bei 75 oder 250 kW liegen soll. Auch Bestandsanlagen sollen sich an der Ausschreibung beteiligen dürfen, um sich auf die Zeit nach der Förderung vorbereiten zu können.

Zubau zu gering – Ausschreibungsverfahren bereits in der Diskussion

Laut Harald Wedemeyer, Bioenergie-Experte beim Landvolkverband Niedersachsen, könne es durch das derzeit diskutierte Ausschreibungsverfahren nach drei Jahren des Niedergangs erstmals wieder eine Perspektive für die Biogasbranche geben. Das Bundeswirtschaftsministerium habe endlich erkannt, dass der aktuelle Zubau von Anlagen zu gering sei. Die ursprüngliche Deckelung des Zubaus von 100 Megawatt sei angesichts der aktuellen Lage eher zu einer Zielgröße geworden. Mithilfe der Anreize aus einem Ausschreibungsverfahren könnte der Zubau von jährlich 100 MW abgesichert werden.

Aber auch in der Flexibilität von Biogasanlagen sieht der Verband laut Hendrik Becker noch eine Chance. Im Gegensatz zu Windkraft- und Photovoltaikanlagen sind Biogasanlagen dazu in der Lage, Strom bedarfsgerecht zu liefern. Insofern sei es auch nachvollziehbar, dass in Zeiten knappen Stroms auch ein höherer Preis gezahlt werden müsse. Wichtig sei nun ein deutliches Bekenntnis zur Biomasse. Bliebe das aus, könnten die ersten Betreiber damit beginnen, ihre Anlagen zu schließen, so Becker.

Zahl der Neuanlagen stark gesunken

Die Zahl neuer Biogaskraftwerke ist in jüngster Zeit stark zurückgegangen. So wurden innerhalb der ersten drei Quartale 2015 nur noch 100 neue Anlagen errichtet. Allein im ersten Quartal 2015 sind nur noch 4 Megawatt an Biogasleistung neu hinzugekommen. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 waren es noch rund 1.500 Anlagen, die neu ans Netz gingen. Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf die stark reduzierte Förderung solcher Anlagen nach dem EEG 2014.

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