Biogas in der Schweiz im Aufwind

Die Nachfrage nach Biogas in der Schweiz steigt

Die Nachfrage nach Biogas in der Schweiz steigt
Foto © w.r.wagner / pixelio.de

Derzeit fristet Biogas in der Schweiz noch ein Nischendasein: Gerade einmal 0,4 Prozent beträgt sein Anteil im Schweizer Gasnetz. Doch die Nachfrage nach dem erneuerbaren Energieträger steigt, und mittlerweile wird Biogas sogar aus den Nachbarländern importiert. Das, obwohl nach Schätzungen von Experten etwa die Hälfte der in Land-, Forstwirtschaft und Gastronomie erzeugten biogenen Abfälle ungenutzt bleibt.

Schweiz: Erdgas an dritter Stelle im Energiemix

Dabei ist die Nachfrage nach konventionellem Erdgas in der Schweiz nicht eben gering: Insgesamt 39.029 GWh Erdgas wurden im Jahr 2016 konsumiert, der Energieträger hat damit einen Anteil von 13 Prozent am gesamten Endenergieverbrauch. Mehr als ein Drittel davon nutzt die Industrie, die Erdgas vorwiegend zur Erzeugung von Prozesswärme benötigt. Doch auch für Endverbraucher spielt Erdgas eine wesentliche Rolle: Durch das insgesamt 20.000 km lange Gasnetz können prinzipiell fast drei Viertel der Wohnbevölkerung versorgt werden. Darüber hinaus rollten im letzten Jahr 12.912 gasbetriebene Fahrzeuge auf Schweizer Straßen.

Biogas-Anteil nimmt zu

Zwar bewegt sich der Anteil an Biogas am Erdgas in der Schweiz mit 0,4 Prozent derzeit noch auf bescheidenem Niveau, doch er steigt kontinuierlich an: Im Jahr 2016 wurden 308 GWh Biogas in das Schweizer Gasnetz eingespeist – das sind 18 Prozent mehr als im Vorjahr und immerhin fünfmal so viel als im Jahr 2011. Produziert wird das CO2-neutrale Gas derzeit in insgesamt 25 Biogasanlagen, 14 davon wurden allein in den letzten 5 Jahren neu errichtet.

Zum Vergleich: In Deutschland waren im Jahr 2016 insgesamt 9.209 Biogasanlagen in Betrieb, die insgesamt 18.920 GWh an Heizwärme produziert haben – damit könnten theoretisch 1,61 Mio. Haushalte versorgt werden. Darüber hinaus wurden in diesen Anlagen 32.760 GWh an Strom erzeugt.

Biogas wird vor allem zum Heizen genutzt

Im Detail zeigt sich, dass der aktuelle Biogas-Zuwachs in der Schweiz vor allem auf den Wärmesektor zurückzuführen ist: Immer mehr Gasversorger mischen ihren Erdgasprodukten heute einen festen Anteil an biogen erzeugtem Gas bei, der meist bei 5 oder 10 Prozent liegt. Der Biogas-Anteil am Heizgas ist dadurch von etwa 0,8 GWh im Jahr 2009 auf mehr als 130 GWh im Jahr 2015 gestiegen.

Im Verkehrssektor hat sich der Anteil an Biogas nach Angaben des VSG (Verband der Schweizer Gasindustrie) dagegen bei knapp 50 GWh eingependelt. Zwar wurde in den letzten Jahren eine steigende Anzahl gasbetriebener Fahrzeuge neu zugelassen, doch zu einem überwiegenden Anteil fahren diese mit konventionellem Erdgas.

Schweiz auf Erdgas-Importe angewiesen

Bis heute verfügt die Schweiz über keine nennenswerten Erdgas-Vorkommen und ist daher fast vollständig auf Importe aus Russland, Norwegen und den EU-Ländern angewiesen. Dabei bleibt ein wichtiges Potential ungenutzt: Experten schätzen, dass gut die Hälfte der in der Land- und Forstwirtschaft sowie der Gastronomie anfallenden biogenen Abfälle derzeit nicht verwertet wird. Stattdessen importiert die Schweiz Biogas aus den Nachbarländern – im Jahr 2015 immerhin im Ausmaß von 186 GWh.

Um das zu ändern, hat der Verband der Schweizer Gasindustrie einen Fond zur Förderung neuer Biogasanlagen eingerichtet. Etwa 2,8 Mio. CHF an Förderbeträgen wurden im Jahr 2016 ausbezahlt.

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