Lokale Energieversorgung Made in Vietnam

Brigitte Feuerbach / pixelio.de

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Vier Rinder, zwanzig Schweine und eine gute Idee – das reicht bereits aus für ein eigenes Kraftwerk. Das im Mekong Delta gelegene Dorf Kanh An verfügt damit über eine eigene Biogasanlage. Kein Einzelfall, denn die Technologie erfreut sich in Vietnam einer hohen Popularität und verringert den Einsatz von fossilem Erdgas.

Die 24 Nutztiere auf dem Bauernhof von Le Thi Thanh Thuy produzieren täglich 75 Kilogramm Dung. Dieser bleibt nicht ungenutzt, denn er wird über ein Rohr direkt in einen aus Ziegelsteinen gemauerten Behälter geleitet, der als Fermenter dient. Das dort gewonnene Biogas fließt dann durch eine Gasleitung in die Küche der Landwirtin. Als Druckmesser dient ein einfacher, mit Wasser gefüllter Plastikschlauch. Erreicht das Wasser durch den Gasdruck eine bestimmte Markierung, ist es Zeit zu kochen, damit kein ungenutztes Gas entweicht.

Biogas statt Erdgas: 150 Euro im Jahr gespart

Normalerweise wird das Gas jedoch komplett von der Landwirtin für die Zubereitung der drei Mahlzeiten der Familie verbraucht. Das Biogas ist sogar noch ausreichend, um die Kinder ihrer Schwester mit Energie zu versorgen. So kommt es auch, dass sie schon seit drei Jahren kein Erdgas in Flaschen mehr kaufen musste. Die jährliche Ersparnis beläuft sich auf 150 Euro pro Jahr. Damit nicht genug, werden durch die Meidung fossiler Brennstoffe wie Erdgas auch gleich noch sechs Tonnen Kohlendioxid pro Jahr mit eingespart. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann!

Biogas: Kritik in Deutschland – voller Erfolg in Vietnam

Hierzulande sieht sich diese Art der Energiegewinnung jedoch einiger Kritik ausgesetzt: Hohe Einspeisevergütungen, die zu hohen Strompreisen führen und Maismonokulturen sind häufig aufgeführte Kritikpunkte. Demgegenüber darf die Technologie mit 145.000 Kleinanlagen durchaus als Erfolg gewertet werden. Und es dürften noch deutlich mehr sein, denn in der Zahl sind nur die im Rahmen des Regierungsprogramms installierten Anlagen aufgezählt.

Denn es kommen noch die zahlreichen Anlagen hinzu, die von den Landwirten in Eigenregie aufgebaut und betrieben werden und so den Bedarf an Erdgas weiter minimieren. Und die sind im Hinblick auf die Preise für Erdgas durchaus erschwinglich. Ha Nguyen Vu hat für seine Anlage gerade mal 40 Euro bezahlt. Den Tank bilden zwei lange Plastiksäcke, die sich unter der auf Stelzen stehenden Blockhütte befinden. Das Biogas entsteht in einer Grube neben dem Schweinestall und wird von einer ausgebeulten Plastikfolie bedeckt. So leicht und günstig kann Energiewende sein!

Die Tanks werden benötigt, um genügend Druck aufzubauen, da sonst das Biogas nicht in die Küche strömen würde. Probleme gibt es nur mit der Folie über der Grube, denn da machen sich gerne die Mäuse dran zu schaffen. Oder ein Huhn pickt ein Loch hinein. Einmal im Jahr muss sie deswegen erneuert werden.

Alternative Substrate in der Erprobung

Die Verwendung von Dung hat jedoch einen Nachteil: Laut Nguyen Vo Chau Ngan von der Universität Can Tho hielten zwar viele Haushalte Schweine oder Kühe, verkauften diese aber zum Neujahrsfest, um dann erneut mit der Aufzucht kleinerer Tiere zu beginnen. Das bedeutet, dass in dieser Zeit zu wenig Dung zur Verfügung steht. Der Wissenschaftler hat deswegen damit begonnen, alternative Substrate zu testen, um diese dann dem Dung beizumischen. Zu diesen zählen beispielsweise Reisstroh und Wasserhyazinthen. Letztere stehen auf allen Gewässern im Delta ausreichend zur Verfügung. Ihr Nachteil liegt jedoch darin, dass in der Biogasanlage intensiver umgerührt werden muss. Darüber hinaus braucht der Fermenter ein größeres Volumen. Auf der anderen Seite ist die Produktivität von Anlagen mit gemischten Substraten deutlich höher, da sich die Methanproduktion nahezu verdoppeln lässt.

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